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Dienstag, 23. Januar 2018

"Da musst du aber bluten"

An irgendeinem Abend der letzten Woche habe ich ein müdes, hungriges, unleidliches, nölendes kleines Menschlein von seiner Krabbeldecke aufgehoben, gestillt und dabei gesagt: "Muss das schön sein, wenn alles wieder gut wird nur weil man an die Brust darf."
Und dann hab ich erst angefangen nachzudenken. Das ist ja ein bekannter Fehler erst zu reden und dann zu sprechen und es ist mir doch sehr unangenehm, wenn ich mich selbst auch dabei ertappen muss. Auf jeden Fall fiel mir ein, dass ich da doch ziemlich Kohl verzapft habe. Immerhin ist es ja nicht nur eine veritable Notlage, in der sich so ein kleiner Mensch ohne Essen und auf dem Boden befindet. (Das meine ich tatsächlich vollkommen unironisch.) Es ist doch irgendwie auch eine sehr starke Romantisierung dieses Zustands Kindheit.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich Kind sein durchaus nicht immer als angenehm empfand. Klein sein heißt auch vieles nicht zu verstehen, vieles nicht einordnen zu können und das kann ganz schön beängstigend sein. Zu Grundschulzeiten wollte ich meine Haare auf Kinnlänge kürzen lassen, was die engagierte Friseurin angesichts der bisherigen Länge zur Aussage bewegte da müsse ich aber bluten. Ihr könnt euch ja gar nicht vorstellen, wie stocksteif ich schweißgebadet auf dem Friseurstuhl saß und in größter Angst wartete ob sie mir jetzt die Ohren abschneidet, aus Versehen den Hals touchiert oder was da bitte sonst bluten soll. Vielleicht war ich ein besonders ängstliches Kind. Vielleicht aber auch nicht. An das Gefühl kann ich mich jedenfalls noch gut erinnern. Auch an das Gefühl krank zu sein und gar nicht zu verstehen, was da gerade mit mir passiert.

Nachdem ich begonnen habe nachzudenken habe ich sehr nachdrücklich meinen Mund wieder zugeklappt. Habe dem kleinen Menschen die Hand auf die Seite gelegt, auf diese noch so zarten, kleinen Rippen und mir fest vorgenommen noch ein bisschen besser als ohnehin schon auf ihn aufzupassen.

Sonntag, 6. August 2017

Suche - Biete: Babyleben und Zucchinikuchen


Suche:
1. Dringend gesucht werden schlagfertige Antworten für die folgenden Szenarien. Ich war leider zu perplex und nicht einmal am Folgetag unter der Dusche (da bin ich nämlich sonst enorm wortgewaltig) kamen mir die passende Antwort.
- Entfernte Bekannte meiner Mutter gratuliert zum Baby und fragt im gleichen Atemzug: "Hattest du einen Dammschnitt?"
- Andere entfernte Bekannte kommt, gratuliert und nimmt mir das Baby aus dem Arm.
- Jede zweite ältere Frau (auch bei 35 ℃ im Schatten): "Hat das Kleine keine kalten Füße."
Inclusive prüfenden Antatschens. Die Badetage des Babys finden inzwischen strategisch nach Familienfesten oder Ausflügen mit viel Publikumsverkehr statt, um das ganze Füßchen-, Händchen-, Köpfchengestreichel wieder abzuwaschen. Mal ehrlich, man küsst doch kein fremdes Kind auf den Mund. Inzwischen bin ich in einer Dauer-Habacht-Stellung.
- Gestern im dm. Frisch gestilltes Kind übt sich im Daumen lutschen. Ältere Frau läuft mir hinterher um mir wiederholt anklagend zu versichern, dass das Kind hungrig sei und sucht.

2. Außerdem gesucht: Geheimrezepte gegen wunden Babypopo. Creme hilft nicht, an der Luft strampeln lassen hilft nicht, Heilwolle hilft nicht und Muttermilch hilft auch nicht.


Biete: Abhilfe für Mega-Zucchini in Form des weltbesten Zucchinikuchens (ungelogen!), der im Sommer in großen Mengen gebacken werden muss, um dann im Winter Stück für Stück aus der Gefriertruhe entnommen zu werden. 
Ich hoffe einfach mal, dass wir nicht die einzigen Gärtner sind, bei denen ab und zu eine Zucchini sich so lange versteckt, bis sie auf einmal so groß ist wie ein Baby (siehe Beweisbild). Gerade diese Exemplare, die sonst doch nur schwer zu verwenden sind, eignen sich hervorragend für dieses feuchte, zimtige, grandiose Prachtexemplar eines Kuchens.


Zutaten:
4 Eier
500 gr. brauner Zucher
225 gr. gemahlenen Haselnüsse
1/4 l. Öl
450 gr. Mehl
3/4 Tl. Backpulver
3/4 Tl. Natron
1 1/2 Tl Zimt
450 gr. geschälte (von den Kernen befreite) und geraspelte Zucchini

Zubereitung:
Die Eier mit dem Zucker schaumig rühren. Die gemahlenen Haselnüsse und das Öl dazugeben und gut miteinander verrühren. Das Mehl mit Backpulver, Natron und Zimt vermischen und löffelweise einrühren. Zum Schluß die Zucchini unterheben. Den Teig gleichmäßig auf ein Backblech streichen und bei 200 ℃ im vorgeheizten Backofen ca. 35 Minuten backen.
Im Original wird noch ein Schokoladenguss auf den fertigen Kuchen gestrichen, bei uns hat sich Puderzucker etabliert.

Quelle: Zwergenstübchen Bäckerei


Montag, 31. Juli 2017

Sommer - Samstag - Straßenfest


Momentan reiht sich Dorffest an Dorffest, was meinen Chef besonders freut, weil diese Termine auch mit Baby wahrnehmbar sind. Ergo tingle ich von Fassanstich zu Blasmusik und wieder zurück. Am Samstag war ich bei einem wirklich schönen Straßenfest, das ganz viel aus der Zeit gefallenen Charme verströmte und zudem ganz ohne Rummel, Trubel, Fassanstich und Blasmusik auskam.



Stattdessen gab es zur Roten Wurst einen richtig guten Wasserwecken und nicht eines der sonst üblichen billigen Bauschaumbrötchen, verträumte, lauschige und romantische Gärten vor alten Häusern und alte Männer, die mit Mundharmonika und Gitarre Lagerfeuerklassiker sangen.



Am Ende des Rundgangs war dann nicht nur die Kamera voll Schnappschüsse, sondern auch ein herrlicher Zustand entschleunigten Sommergefühls eingekehrt, der den ganzen Abend anhielt.



Der Babymensch, der auch mitdurfte, ist inzwischen nicht nur stolzer Besitzer seines eigenen Wagens (der sich hervorragend zur Zwischenlagerung von allem möglichem eignet und den ich am liebsten auch zu den babylosen Terminen mitnehmen würde), sondern wird beinahe täglich wacher und aufmerksamer. Also wird neben dem Blick in den Wagen in letzter Zeit auch immer der Blick aus dem Wagen eingenommen, um zu erkunden, was gerade so fasziniert. 


Dienstag, 30. Mai 2017

Last-minute Artikel und Rentiersocken



Gestern habe ich für einen Artikel über eine diamantene Hochzeit ein älteres Ehepaar besucht und wie immer muss ich inzwischen fast aufpassen, dass die Leute mich nicht mehr über die Schwangerschaft ausfragen als von sich selbst zu erzählen. Verabschiedet wurde ich unter anderem mit: "Sie arbeiten wohl auch bis direkt zum Termin. So war das bei uns damals auch. Bis um sechs am Abend haben wir Heu gemacht und um zehn war dann unsere Tochter da." 
Meine Güte, ich bin so voller Bewunderung für die ganzen tapferen Frauen, die das früher alle so gemacht haben. Ein bisschen bei Terminen rumsitzen und danach auf dem Sofa schreiben ist wirklich ein Klacks gegen sowas.


Damit das nicht zu langweilig wird überrascht mich mein Chef in letzter Zeit sehr gerne mit last-minute-Terminen. Ende April bin ich erst im Schweinsgalopp zum Kleiderschrank gesaust, um innerhalb von fünf Minuten ein Outfit für einen Termin mit dem König von Benin zu finden. Der Oberknaller war aber, als ich am letzten Montag in Jogginghose, verstrubbelt und ungeschminkt gerade kochend in der Küche stand.
13:51: Anruf Chef. Frau g sind Sie da? Um 14:00 kommt der Bundestagsabgeordnete xy und besucht ein soziales Projekt...
13:52: Frau g schält sich aus der Jogginghose. Immerhin etwas. Der Rest muss bleiben, wie er ist. Der Herd wird ausgeschalten und stattdessen ein Notfall-Müsliriegel geschnappt.
13:55: Abfahrt
14:10: Ankunft beim Termin. Große Augen bei allen Beteiligten, woher denn jetzt noch die Pressetrulla kommt und warum sie zu spät ist.
14:11: Die Pressetrulla merkt, dass sie in der Eile keinen Stift eingesteckt hat. 
Das war tatsächlich eine der Gelegenheiten, bei denen ich die Vorzüge des Alters merkte. Noch vor ein paar Jahren wäre mir das alles entsetzlich unangenehm gewesen. Heute bitte ich um einen Stift und Entschuldigung für die Verspätung und das wars.


Nichtsdestotrotz kommt das rumgammeln und Eis essen nicht zu kurz. Damit ich mich dabei nicht zu faul fühle bin ich in die Sockenproduktion eingestiegen. Den Anfang machten diese jahreszeitlich so wundervoll unpassenden Rentiersocken, die sich die kleine Schwester ausgesucht hat. Zur Strafe musste sie als Beinmodell herhalten, ohne Rücksicht auf die Temperaturen. Macht sie aber gut, oder? Das Muster ist dieses, das sich super stricken ließ, Sollte ich sie nochmal machen würde ich aber keine so krassen Farbunterschiede mehr aussuchen. Das dunkle Grau schimmert doch ziemlich durch.  Damit der kleine Mensch nicht zu kurz kommt bekommt er noch ein paar Restesöckchen in weiß.


Für alle weiteren Fragen, ob das Baby schon da ist: Bitte hier klicken ;)


Samstag, 13. Mai 2017

12 von 12 Mai

Long story short: Gesammelt wird hier. 12 Bilder aus ganz unterschiedlichen Tagen. Ich mache mich jetzt auf eine Stöberrunde auf.


04:19 - zweite, nächtliche Tour zur Pipibox und weil ich schon wach bin kann ich gleich nochmal den spannenden Bauch eincremen und neues Wasser besorgen


Gepriesen seien die Bundeswehr-Unterhemden. 


Ein Grußwort und ein Artikel wollen geschrieben werden. Gestern haben zwei Philosophen, davon einer AfD-Politiker über offene Gesellschaft und Leitkultur debattiert. Karl Popper, Ernst-Wolfgang Böckenförde, Heraklit, Hegel und Hobbes auf 400 Worten unterbringen und dann bitte noch möglichst neutral. Pffff, kostet Zeit und Nerven.


Zwischendurch: Quellstück mit Dinkelflocken angesetzt


Gnocchi und Spargel in Bärlauchbutter


Das eben angekommene Packet ausgepackt.


Call me Getränkegirl. Nachdem endlich der elendige Artikel weg ist gibt es ein Päuschen. Rechts der eben neu gelieferte Himbeerblättertee. In der Mitte die Tasse des Grauens.


Mit der Cousine auf ein Eis und einen Spaziergang getroffen. Geschichten aus dem Leben einer Abiturientin gehört. Gar nicht so undankbar ums Alter gewesen. 


Unter scharfer Beobachtung...


Rhabarber geerntet und direkt im Anschluss zu ofengeröstetem Kompott verarbeitet.


Das (neue) Brot in den Ofen geschoben, das laut Rezept eigentlich Tontöpfe erforderlich macht. Ich bin gespannt.


Schnell noch den Wecker für die Brotretter gestellt und gen Stadt und Vergnügen losgezogen.



Donnerstag, 4. Mai 2017

Aufgebraucht oder guilty pleasure

Es gibt ja Menschen, die sagen von sich, dass sie vor allem deswegen gern Lokalzeitungen lesen, weil sie da merken, dass die Welt im Grunde noch ziemlich heile ist. Mein ach-im-Grunde-ist-alles-in-Ordnung-Vergnügen sind YouTube-Videos von Beautygirls und Schminkblogs. Wenn man ehrlich ist, ist es einfach unfassbarer Luxus sich mit Cremes und Salben, Pasten und Seren, Pudern und Ölen zu beschäftigen. Zumal das Format, dass 16-Jährige Produkte in die Kamera halten schon hohes guilty pleasure Potential hat. Besonders gern und besonders staunend verfolgte ich Aufgebraucht-Videos. Es ist einfach unfassbar, wie viel diese Mädels benutzen müssen, um diese Menge an aufgebrauchten Produkten zu haben.


Offensichtlich kann ich mich da ausgiebig drüber wundern. Beste Voraussetzungen für einen Selbstversuch. Als sich Anfang des Jahres abzeichnete, dass über kurz oder lang diverse Produkte das Zeitliche segnen werden, habe ich begonnen zu sammeln. An sich sieht das ja nun doch nach einer ordentlichen Menge aus. Ich habe aber spaßeshalber auch mal rekonstruiert, wie lange ich die Sachen benutzt habe. Damit relativiert sich Menge sehr schnell. Erstaunlich, wie lange das Zeug haltbar ist. Und erstaunlich, dass alles auf einmal leer ging.


Also ich (2010) angefangen habe zu studieren habe ich mir die erste Flasche 0815-Bodylotion gekauft. Das wardie zweite. Mehr muss man nicht sagen. Wurde, wie der Rest wohl auch, vor allem deshalb leer, weil ich in steter Schwangerschaftsstreifenangst inzwischen tatsächlich regelmäßig schmiere. Die Öle sind ebenfalls schon lange Begleiter. Wenn ich mit recht entsinne habe ich das Weleda-Öl seit etwa vier Jahren...


Das Reinigungsöl habe ich im März 2016 gekauft, habe es also ein Jahr lang benutzt. Das pai-Öl stammt sogar aus dem März 2015. Übrigens ist das der heilige Gral, was Gesichtspflege angeht. Die Maske habe ich im Urlaub 2014 gekauft. Himmel, merkt ihr, dass ich nicht nur ewig an einer Flasche hänge, sondern bei den meisten Sachen auch noch rekonstruieren kann, wann ich sie gekauft habe? 


Die Lippenpflege habe ich im Januar 2015 von Freundinnen zum Geburtstag bekommen. Bei den Handcremes versagt die Erinnerung. 
Heute morgen habe ich den ganzen Krempel nun endgültig entsorgt. Vielleicht gönne ich mir später zur Belohnung noch ein kleines Video. Zuerst muss ich mich aber noch eine Weile wundern mit was für unwichtigen Infos ich mir unnötigen Hirnspeicher vollgestopft habe.
Gibt es irgendjemanden, der das auch so macht? 

Mittwoch, 19. April 2017

Blick heben!

Wie es sich für gute Arbeitnehmer gehört bin ich erstmal krank in Ferien und Mutterschutz gestartet. Geplant war ja eigentlich stricken, Eis essen und Terrasse. Stattdessen wurde es jetzt Schnee (ungelogen), Kräutertee und so massive Heiserkeit, dass Tippen aus mehreren Gründen eine gute Idee ist. Wie immer ist es ein bisschen komisch nach langer Zeit wieder zu schreiben, aber da müssen wir jetzt alle durch.  


Neben krank und Arbeit war einer der größten Zeitfresser der letzten Wochen der Geburtsvorbereitungskurs. Die ehemalige Babysittermama hat mich ganz erstaunt gefragt, warum ich mir das antue, sie wäre Amok gelaufen. In der Tat manchmal weiß man nicht, ob man lachen, weinen oder wegrennen möchte. Es gibt tatsächlich Frauen, die ihre Sätze mit "Als wir dann wussten, dass wir schwanger sind..." beginnen. Übrigens sind das auch die Frauen, die völlig ungeniert eine Familienpackung Essiggurken auspacken und während des Diaabends (jawohl liebe Leute, da wird die allermodernste Technik ausgepackt) wegsnacken. Den Naturwissenschaftler inspirierte das in der Pause übrigens zum Geständnis er habe das Schwangerschaftsklischee schlechthin - Essiggurke mit Nutella - ausprobiert. Wollt ihr raten, ob er es lecker fand?
Es wurden Ultraschallbilder rumgereicht, 14 Frauen saßen bauchreibend auf Bällen und wir haben "unsere Scheiden wie Seerosen erblühen" lassen. Kann man alles machen, kann man aber auch getrost drauf verzichten, wenn ihr mich fragt. Aber immerhin neues Lebensziel: Einmal im Leben die Coolness besitzen um in einem Raum voller Menschen zu spazieren und statt dem altmodischen "Hallo" sagen "Können wir heute was zu Hämorrhoiden machen? Mir tut der Po so weh."


Seit ich die neue Kamera habe und seit letzter Woche auch noch ein Tele ist kein Motiv mehr vor mir sicher. Ich mochte die Vorgängerin schon gern, aber die Bildqualität jetzt ist nochmal um ein vielfaches besser. (Alles andere wäre bei dem Preis auch enttäuschend *hust*) Wie gut, dass die Natur, bis ich das beste Motiv überhaupt (aka Baby) fertig produziert habe, in die Vollen geht und Blüten noch und nöcher sprießen lässt. Ich hab mich für heute mal auf Magnolie und Himmel beschränkt, aber seid hiermit vorgewarnt, da wartet noch einiges. Kann jemand zufällig gute Literatur/Kurse empfehlen, wenn man sich noch ein bisschen theoretischen Background aneignen möchte? Ich bin auch noch auf der Suche nach einer Kameratasche, die nicht instant Augenkrebs verursacht.


 A propos Empfehlungen: Ich nehme mit Kusshand auch Tipps für Leipzig entgegen. In eineinhalb Wochen wollen der Naturwissenschaftler und ich Konzertkarten fürs Gewandhausorchester einlösen und der Drumrum-Plan ist noch komplett offen.
Wenn ich schon im Fragenmodus bin. Wie hieß dieser Seilspringspruch eigentlich in unserer Kindheit? Ich habe in letzter Zeit berufsbedingt einige Zeit seilschwingend auf Pausenhöfen verbracht. Die Kinder heutzutage grölen dazu "Verliebt, verlobt, verheiratet geschieden, wie viele Kinder wirst du kriegen? 1 - 2 - 3 -4 usw.". Vielleicht trügt mich meine Erinnerung, aber ich bin recht sicher, dass Scheidung bei uns noch nicht Bestandteil war, oder? Und mal angenommen ich liege richtig, wie krass ist denn bitte dieser gesellschaftliche Wandel innerhalb von gerade mal 20 Jahren? 


Mittwoch, 1. Februar 2017

Was im Januar besonders schön war

Aktuell sitze ich im Keller, weil ich fürchte mich bei meiner kleinen Schwester mit Noro anzustecken oder im schlimmsten Falle schon angesteckt zu haben. Sehr unerquicklich. Vielleicht hilft ja Ablenkung und Stärkung des Immunsystems durch positive Gedanken. In diesem Sinne: Was im Januar besonders schön war:

  • Geburtstage. Meine Oma machte mit ihrem 80sten den Anfang. Der dazugehörige Opa wurde 88. Da waren nicht nur schöne Feste. Vor allem wird mir dabei immer wieder bewusst, wie gut ich es habe, so fitte und aktive Großeltern haben zu dürfen. Meinen eigenen Geburtstag nicht zu vergessen. Haufenweise lieber Menschen waren da oder haben von Ferne an mich gedacht, die Geschenke türmten sich und das Essen war großartig. Das obere Bild zeigt Kirsch- und Bananenkuchen, nebst Hefezopf und Obstsalat. Käsekuchen und Schachbretttorte haben es nicht mehr mit aufs Bild geschafft. 

  • Brot! Brot und Brötchen in allen Varianten. Der Ofen glüht und täglich ziehe ich irgendein neues Exemplar aus ihm hervor. Fluch und Segen der aktuell so großen Zahl an Mitessern: Ein Brot am Tag kommt locker weg. Ab und an versuche ich mich mal an doppelten Mengen im Irrglauben den Gefrierschrank füllen zu können, aber auch das wird im Nullkommanichts wehinhaliert. Erhöht einerseits die Möglichkeiten der neu auszuprobierenden Rezepte, andererseits den Druck das tatsächlich auch zu tun. Ein Glück, dass es da draußen so phantastische Blogs gibt, die die Lust am Backen immer mehr anheizen.



  • In keinem Januarrückblick sollte dieser Film fehlen und auch wenn es einem das Internet mit einem großen Megaphon in Dauerschleife entgegenbrüllt. Es stimmt. Liebe Leute, geht und schaut euch La La Land an. Da ist alles drin. Lachen und Weinen, mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen und paar Tage später mit dem Soundtrack auf Dauerschleife immer noch an der Botschaft knabbern. Überhaupt war mein Kinobesuch ein wahres Highlight: Mit streichelnder Hand auf dem Knie, Strampeln im Bauch und einer großen Portion Nachos, die ich uns nur noch abwechselnd in den Mund stecken musste lässt es sich sehr gut glücklich sein. 
  • Allgemein ist Strampeln als neu installiertes Baby-Feature ein echter Gewinne. Den semi-spannenden Gemeinderatstermin neulich habe ich damit verbracht zu schauen, wie jemand von innen nach außen stupst, um dann vorsichtig zurückzustupsen. Fabelhaftes Kind!
  • Ganz anders im besten Termin des Monats, der mir einen massiven Fangirl-Abend bescherte. Herta Däubler-Gmelin, ehemalige Justizministerin und MdB für die SPD hat einen Vortrag über zeitgemäße Demokratie gehalten und dabei äußerst kluge Sachen gesagt. So warnte sie davor, dass Demokratie nur noch Vorschläge der Wirtschaft verwaltet statt selbst zu gestalten und rief in allererster Linie zu bewusstem Konsum auf und nicht davor zurückzuschrecken die Zeit, Mühe und Anstrengung auf sich zu nehmen Abgeordneten genau auf die Finger zu blicken und zu partizipieren. All das mit einer bemerkenswerten Attitüde. Wenn ich etwas älter bin (gerne auch jetzt schon) möchte ich auch so cool reagieren, so schlagfertig antworten und so unbeirrt meine Meinungen vertreten. Der kleine, empörte, schwäbische Bauer, der irgendwann aus der letzten Reihe lautstark seinen Frust verkündete, hat jedenfalls ganz schön blöd geschaut, als als einzige Reaktion ein sehr entspanntes "Sie dürfen mich hier ja gern kritisieren und ihrer Zornausbruch ausleben, aber das hat uns jetzt keine 5m weiter gebracht. Mir wäre lieber wir würden überlegen, wie wir den Missstand konstruktiv angehen."


  • Diese Bilder aus Astrid Lindgrens Wohnung.

Samstag, 10. Dezember 2016

Tim Mälzer oder der Glauben an die Liebe

Irgendwie hat Lokaljournalismus ja schon einen schlechten Ruf. Vereinsmeierei statt Glanz und Glamour. Und noch nicht mal Skandale, die aufgedeckt werden oder Reporter, die im Namen der Meinungsfreiheit auf allen vieren durch den Urwald robben. Ohne Zweifel klingt das Kochevent mit Tim Mälzer wesentlich chicer als der Besuch beim Gnadenhochzeitspaar.


Unterm Strich zeigt sich beim Kochevent vor allem, dass Tim Mälzer sich vor allem ganz schön wichtig fühlt und eines ganz sicher nicht hat, nämlich Egoprobleme. Die gesamte Veranstaltung dauerte stundenlang, der Hauptteil fand zudem unter Ausschuss der Öffentlichkeit statt (böse Zungen aka ich behaupten das sei, um zu vertuschen, dass er nicht einmal eine Zwiebel schneiden kann). Das Begleitteam war mindestens genauso arrogant, auf jeden Fall dreimal so demonstrativ gelangweilt von uns Provinzpflanzen und laut der geheimen Meinung der Verkoster war das Essen bei weitem nicht so gut, als dass es dieses Bohei rechtfertigen würde.
Persönliche Anmerkung am Rande: Das wundert mich übrigens wirklich, dass bei diesen Unmengen an Fett, Öl und Butter irgendwas nicht schmecken kann ist nahezu unvorstellbar.


Nein, dann doch lieber die über 90-jährigen, tatterigen Leutchen, die mir ihre Liebes- und Lebensgeschichte erzählen. Die Geschichte einer 16-Jährigen, die auf der Straße von einem fremden Mann angesprochen wird, der sie gesehen hat und sich vom Fleck weg in sie verliebt hat. Zugleich aber auch die Geschichte eines Krieges, der sie zwei Jahre lang trennte. Eine Zeit, die sie mit 350 Briefen und der festen Überzeugung "wir wussten, dass wir zusammen gehören" überstanden. Mit 20 und 24 Jahren haben sie dann geheiratet.
Heute sind sie unverkennbar alt. Er schwankt bei jedem Schritt, sie kann sich ohne seine Hilfe nicht einmal mehr aufrichten. Und dennoch, wenn ich mit die Beiden anschaue, dann geht mir das Herz auf. Dann sitzen mir Menschen gegenüber die durch und durch warm und wahrhaftig sind. Wenn er immer noch stolz von "meiner Frau" spricht und wenn sie gemeinsam über das Bräutigamsoutfit ("alles geliehen, nur Schuhe und Unterhose waren meine") lachen, dann bin ich ihnen komplett verfallen und wohl auch Lokaltippse aus Überzeugung, weil ich mir in diesem Moment keinen besseren Job vorstellen könnte.

Donnerstag, 24. November 2016

Luxusprobleme?

Ein paar kurze Worte vorneweg: Ob und wie schlimm ich das alles tatsächlich finde weiß ich selbst nicht. Hängt vermutlich auch von der Situation selbst ab. Durch den Kopf geistert es mir trotzdem und vielleicht hat ja jemand ein paar spannende Gedanken dazu.

Nach eineinhalb Jahren Lokalzeitungsgeschreibsel und nun knapp zwei Monaten Vollzeit bin ich den meisten schon bekannt als "Ach die Frau gudrunella. Schreiben Sie was Schönes über uns." oder "Na, heute beruflich oder privat da?" Ein bunter Hund ist nichts gegen den örtlichen Schreiberling.

Die komplette Kommunikation mit Chef + Redaktion läuft seit jeher über mein Handy und meine E-Mail-adresse. Hätte man sich zu Anfang dieser Nebentätigkeit eine neue Mail-adresse anschaffen sollen - vielleicht. Beim Handy wird's schon schwieriger, wenn man nicht einen alten Uraltknochen wiederbeleben möchte und zwei Handys spazieren tragen will.
Unterm Strich führt das aber inzwischen dazu, dass mich mein Chef jederzeit und überall erreichen kann. Im Bett, bei privaten Treffen, am Wochenende sowieso und (komischerweise ruft er dann am liebsten an, wenn ich mich eh schon abgemeldet habe) im Urlaub. Sei es, wenn ich auf irgendwelchen Bergen herumkraxel und gerade zufällig durch fünf Meter mit Empfang laufe oder beim Surfen in Italien. Selbstverständlich hat nicht nur er die Nummer, sondern auch die restliche Redaktion. I-Messages um kurz nach 23:00 Uhr? Mal eben das geplante Layout über WhatsApp geschickt. Alles dabei.

Aber auch so scheint meine Nummer zu kursieren. Ein paar Beispiele:
- aus dem Mittagsschlaf von penetrantem Klingeln geweckt werden und mehr oder weniger verballert den unbekannten Anruf annehmen. "Sie haben doch den Artikel über XYZ geschrieben. Haben Sie für das Bild eine Drohne benutzt?" Und bevor ich überhaupt fragen könnte wie diese Neugierige an meine private Nummer kam hat sie schon wieder aufgelegt.
- Artikelanfragen über WhatsApp: "Hallo Vorname (alleine schon das!). Ich hab deine Nummer von wemauchimmer. Wir machen da und dort dieses und jenes. Könntest du darüber schreiben?" Ich verweise inzwischen wie ein Automat auf meinen Chef und dass solche Anfragen nur über ihn gehen.
- und meine Lieblingsanfragen: Könntest du nicht schnell (wenn's so schnell ginge, dann macht es doch bitte selber) einen kleinen Artikel für das Gemeindeblatt, die Konkurrenzzeitung, usw. schreiben. Da muss man nur ein bisschen umändern und die Bilder hast du ja eh. Selbstverständlich alles unentgeltlich.

Und jetzt liebe Menschen sagt doch mal bitte. Ist das ein Luxusproblem, wenn ich mein Privathandy gerne wieder privat hätte? Wie bringe ich (bevorzugt dem entfernten Familien- und Bekanntenkreis) freundlich aber bestimmt bei, dass ich das nicht aus Jux und Tollerei mache, sondern um Geld zu verdienen?

Donnerstag, 29. September 2016

Abschiedsschmerz



Während ich diese Zeilen tippe sitze ich mit zwei Freundinnen da, eben gab es Nudeln für alle, jetzt arbeiten wir gemeinsam (ich mehr moralisch) an der Bachelorarbeit, die morgen abgegeben werden muss. Wenn die Beiden dann abgeben, werde ich schon zum letzten Mal auf dem Weg aus der Unistadt sein und bereits jetzt wird mir beim Gedanken daran ganz anders.



In dieser Woche habe ich noch einmal alles mitgenommen. Ein Besuch bei den Babysitterkindern, eine Stunde bei der Gesangslehrerin und ganz viel Zeit mit den lieben Menschen.
Und teilweise hat es sich fast so angefühlt, wie der ganz normale Unialltag. Auf dem Weg vom einen Termin zum nächsten durch die Stadt zu schlendern. Fast als ob man später noch in der Bib vorbei geht, ein paar neue Bücher abholt, ein bisschen was liest und abends wieder in seine eigenen vier Wände zurückkehrt.

Sechs Jahre lang waren die 20 und ein paar Quadratmeter mein Zuhause, mein Rückzugsort, mein Turmzimmer und meine Burg, mein Nest und vor allem einfach Mein. Ein bisschen abgelegen waren die wenigsten jemals zu Besuch, nicht mal nach Besuch musste man sich richten. Pure Alleinherrschaft zum ersten mal weg von den Eltern.



Wohnungen werden neue kommen. Was ich am meisten vermissen werde ist das freie Leben und die vielen lieben Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. Zwischen Tutorien, Kursen, Nebenjob und Verabredungen selbst die Zeit einteilen können, zwischen spannenden Themen und herzlichen Menschen zu leben und vor allem die Möglichkeit zu haben sich nach Herzenslust in Themen zu vertiefen, sich Fachwissen anzulesen und wissenschaftlich zu arbeiten, alles im eigenen Tempo ist ein unfassbarer Luxus.



Liebes Ei, liebe Nachbarin, liebe Bib, liebe Cafete, lieber Sternenhimmel, der sonst nirgends so schön ist wie hier - Ihr werdet mir ganz schön fehlen!