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Montag, 6. November 2017

Kindheitsbücher


Meine ersten Erinnerungen an die Berte Brett Bücher liegen schon ganz schon weit zurück. Zu Grundschulzeiten, also vor ungefähr 20 Jahren (ojeoje), habe ich damit angefangen mich nach und nach durch die Jungmädchenbücher meiner Mama zu schmökern. Übrigens an dieser Stelle. Ist Jungmädchenbücher nicht ein tolles Wort? Bisschen wie Backfisch. Gefühlt gibt es heute weder das Wort noch die dementsprechende Literatur, oder?
In jedem Fall habe ich mich seither unzählige Male durch die alten Geschichten der norwegischen Autorin gelesen und die Sammlung noch nach und nach ergänzt. Neulich habe ich mal wieder angefangen und mich damit hochgradig selbst angefixt, sodass jetzt vermutlich einmal das ganze Regal von neuem durchgekaut wird.


Solltet ihr Interesse an einem tiefen Einblick in die 50er und 60er haben oder einfach nur eine gemütliche Stunde mit Buch und Tee auf dem Sofa verbringen wollen dann ist Berte Bratt genau das richtige für euch. Am Besten fangt ihr mit Anne an. Die Bücher gibt es haufenweise auf Ebay zu absoluten Schleuderpreisen und wenn ich mich nicht irre, dann gab es vor einiger Zeit sogar eine Neuauflage. Allerdings bekommt man vor allem bei der Anne-Trilogie immer furchtbar viel Lust zu stricken. Die Gute hat nämlich ständig irgendein Gestrick zwischen den Fingern und wenn nicht Wolle und Nadeln dann Papier und Stift, um neue Norwegermuster zu entwerfen.


Aber zum Inhalt: Anne ist ein junges, norwegisches Mädchen, dass von einem entlegenen Bauernhof in die Stadt kommt, um dort Abitur zu machen. Jeder Band umfasst etwa zwei Jahre und erzählt wie sie zwischen Budenleben, Büffeln und vor allem viel Stricken ihren Weg macht. Wie nebenbei angelt sie sich dann noch den begehrtesten Junggesellen der Stadt. Und obwohl sie eigentlich langweilig sein könnte so strebsam und redlich wie sie ist, mag ich sie sehr gern. Überhaupt sind mir im Grunde alle Figuren aus den Büchern sehr sympathisch.
Inzwischen lese ich auch nicht mehr nur die Geschichten sondern betrachte auch diese mir so fremde Welt, in der man noch über fließendes Wasser staunte, in der scheinbar ganz andere Werte galten und in der Nylon-Strümpfe das Nonplusultra waren. Und ganz nebenbei lerne ich so viel über das Frauenbild dieser Zeit und wundere mich immer wieder. Teilweise ist es geradezu haarsträubend altbacken und überholt und teilweise aber auch extrem modern. Gerade die Beziehung zwischen Anne und Jess (kennt sich irgendjemand mit Dänisch aus und kann mir einen Tipp geben, wie man den Namen ausspricht?) fand ich bei meinem Reread bemerkenswert. Nicht nur, dass sie im Grunde die meiste Zeit eine Fernbeziehung führen, sie schaffen es auch noch sich beruflich selbst zu verwirklichen ohne, dass einer auf der Strecke bleibt. 
Langer Rede kurzer Sinn: Lest Berte Bratt Bücher! Egal ob aus hobby-soziologischem Interesse oder einfach nur fürs Herz. Berte Bratt geht immer.

Freitag, 1. September 2017

Herzhafte Waffeln


Ich probiere recht regelmäßig neue Rezepte aus, meist inspiriert durch einen Blick in den Kühlschrank und eine innere das-muss-alles-noch-weg-Liste. So einiges, was sich auf dem Papier und in meinem Kopf noch unfassbar gut ausnahm, wurde in der Realität leider nur semi-lecker. Diverse Fotos wurden wieder gelöscht, weil das Ergebnis zwar fotogen aber nicht nachkochwürdig war. Ganz anders mit diesen Waffeln. Liebe Leute, die Dinger sind richtig gut geworden.


Zutaten:
1 Zwiebel
1-2 Knoblauchzehen
1 große, gekochte Kartoffel (etwa 125gr.)
150 gr. Quark
25 gr. Käse
25 gr. Spinat (hier TK)
3 Eier
150 gr. Dinkelmehl
100 gr. Dinkelvollkornschrot
1 Tl. Backpulver
1 Bund Schnittlauch
75 gr. Butter
75 ml. Milch
1 großzügiger Schluck Mineralwasser (gegebenfalls mehr)
Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung:
Zwiebel und Knoblauch kurz in ein bisschen Öl anschwitzen. Die Kartoffel habe ich einmal durch die Spätzlespresse gedrückt. Dann einfach alles zusammenrühren und eventuell ein bisschen mehr Wasser dazugeben.


Bei uns gab es die Waffeln zu Tomatensuppe. Unser Waffeleisen ist übrigens von der neumodischen Sorte und piepst bei jeder fertigen Waffel wie ein ADHS-Vogel auf Speed. Enorm gemütlich beim Mittagessen. Aber laut meiner fleißigen Testesser schmecken sie auch kalt noch lecker. Wer also unter ähnlich renitenter Technik leidet kann auch im Vorhinein schon backen. 



Sonntag, 13. August 2017

Schminkikram aus England


Ich habe es ja neulich schon mal erwähnt, dass mein großes guilty pleasure diverser Schminkikram ist. Und wer viel aufbraucht darf viel neuen Kram kaufen. Logisch, oder? Ein Glück, dass meine liebe Freundin C. ab und an nach England kommt und da ausländischen Schminkikram für mich kauft. In den Regeln der Schminkikramwelt ist das Zeug, das es hier nicht gibt nämlich noch viel toller. Vermutlich weil man mehr Energie in das Erjagen investieren muss oder so. 
Hach ja, gut, dass ich im Grunde schon weiß, dass das bescheuert ist.

Eigentlich wollte ich nur ein Foundation-Backup, nachdem meine vor knapp zwei Jahren gekaufte Match Perfection Foundation sich langsam doch dem Ende zuneigt. Ich mag sie, tut ihren Job und hat außerdem einen Lichtschutzfaktor. Dann hat mich meine Personal Shopperin aber über ein 3for2 Angebot informiert und die Dinge nahmen ihren Lauf.
Der Lippenstift (mein Babysitterkind sagte immer "Lippenbiff") ist aus der Rimmel London Lasting Finish Lipstick by Kate Moss Reihe in der Farbe 101.

Außerdem habe ich mir noch die Rimmel London Wake me up Foundation und das Superfacialist Vitamin C + Skin Renew Cleansing Oil by Una Brennan (Alter, war denkt sich bitte diese Namen aus?) mitbringen lassen. Bislang habe ich das Öl erst einmal probiert, aber die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nicht nur, dass mir die Mascara anschließend noch unter den Augen hing, ich wurde auch noch daran erinnert, warum ich Zitrusdüfte sonst meide. Es riecht, mit Verlaub, ein bisschen nach Kloreiniger. Weitere Tests stehen aus.

Donnerstag, 27. April 2017

Brotstandard und Standardbrot


Vorgestern hat mich der Zeitungsjob zu einem Vortrag über Darmgesundheit und Ernährung geführt, in dem für ein paar kurze Momente mein aktuelles Brotbackfieber in akuter Gefahr war. Grundsätzlich wird ja von großen Mengen Getreide (die der Deutsche dank zweier Bortmahlzeiten so verdrückt) eher abgeraten, weil Getreide wohl aufgrund der Schalen nicht gut verdaut werden kann. In blühenden Farben wurden die schrecklichen Folgen von Parkinson bis zu MS geschildert und ich wurde immer kleiner auf meinem Sitz, bis zum erleichterten Aufatmen. Einzige Ausnahme ist angeblich selbst gebackenes Natursauerteigbrot, eben weil es so lange dauert und durch die langen Quell- und Garzeiten die Hüllen und schwer verdaulichen Stoffe abgebaut werden. Puh, Glück gehabt.


Denn nach wie vor ist die Brotback-Begeisterung ungebrochen und spätestens aller drei Tage wird hier frisches Brot aus dem Ofen gezogen. Dem voraus geht meist akribisches Durchforsten des Internets und die Suche nach dem neusten Rezept sowie anschließendes Bemuttern des Teiges. Stündliches Begutachten des Sauerteiges und fünfminütliche Spaziergänge zum Ofen, um das Aufgehen und Einreißen des Brotes zu beobachten sind leider nur wenig übertrieben. Und dann der beste Moment: Das krachende, frische Brot anschneiden (meist noch etwas zu warm, daher auch die Röllchen am Anschnitt), schnuppern, befühlen und probieren. Gutes Brot braucht nichts mehr als Butter, um mich in den Foodhimmel zu befördern und um Scheibe um Scheibe zu schrumpfen.
Der Brotstandard hat sich gewandelt. Sollte aus Zeitmangel doch einmal ein Bäckerbrot auf den Tisch kommen rümpfe ich inzwischen verächtlich die Nase. Meine sind besser. 


Als eines der am häufigsten gebackenen Brote hat sich sehr schnell dieses rustikale Bauernbrot nach einem Rezept des großartiges Plötzblog entwickelt. Es ist einfach in der Zubereitung, schmeckt hervorragend und hat wenig gemein mit dem labbrigen Brot, das man sonst so antrifft. Meist mache ich die doppelte Menge. Neulich habe ich eine gute Portion Kümmel zugegeben und es macht sich auch als Kümmelbrot hervorragend! 

Sauerteig (20 vor Weiterverarbeitung ansetzen und bei Raumtemperatur reifen lassen)
100 gr. Roggenvollkorn
50 gr. Roggen 1150
150 gr. Wasser
15 gr. Anstellgut

Hauptteig
Sauerteig (von oben)
200 gr. Roggen 1150
100 gr. Weizenmehl 1050
175 gr. Wasser
9 gr. Salz

Den Hauptteig fünf Minuten auf niedrigster Stufe und weitere zwei Minuten auf der nächsten Stufe zu einem Teig kneten lassen. 90 Minuten Teigruhe, nach 45 Minuten ausstoßen. Dann rundwirken und mit Schluss nah unten in gut bemehlte Gärkörbchen setzen. (Mir fällt jetzt erst auf, dass ich mit Schluss nach oben backe. Spannend, muss ich mal ausprobieren, ob Schluss nach unten etwas verändert.) Nochmals 45 Minuten Gare, dann 50 Minuten mit Dampf von 250 ℃ auf 220 ℃ fallend backen. 

Donnerstag, 16. März 2017

Bitter-süß: Orangenmarmelade


Mein Onkel verfügt über geheime Quellen, aus denen er kistenweise aromatische Bio- Orangen besorgen konnte. Die Grundversorgung im Hause gudrunella war also den ganzen Winter über gesichert. Leider neigt sich die Saison so langsam dem Ende, zudem hat der (völlig unverständige) Körper sich inzwischen für Sodbrennen als neustes Schwangerschaftsfeature entschieden, was den Genuss doch etwas mindert.


Solange die Kiste aber noch gut gefüllt war, blieben nur alternative Verarbeitungsmethoden - in diesem Fall Orangenmarmelade. Ab und zu packt mich mal der innere Wunsch nach Trenchcoat, Regenschirm, Union Jack und Toast mit Orangenmarmelade und dann ist mir die selbstgemachte meist die liebste, denn sie ist lang nicht so bitter wie die gekaufte. All die Vollzeitbriten dürfen mich aber gern korrigieren, ob das Rezept völlig untypisch und Marmelade, die einen nicht vor lauter Bitterkeit schielen lässt, ohnehin kultureller Verrat ist. 
Bis dahin und für alle, denen es in puncto bitter vs. süß ähnlich geht, hier das erprobte Rezept. Nutzt die letzten guten Orangen der Saison. Es lohnt sich!


Zuerst werden (Menge je nach Geschmack) die Zesten von etwa fünf unbehandelten Orangen für etwa 10 Minuten in Wasser aufgekocht. Dabei entweicht der Großteil des bitteren Geschmacks.
Dann werden 900 ml frischgepresster Saft mit 350 gr. Gelierzucker aufgekocht. Nach der Gelierprobe kann die Mischung dann in gespülte Gläser gefüllt werden. Die Zesten verteile ich ganz zum Schluss auf die Gläser, durch das Gewicht sinken sie gut nach unten ein. 


Können wir bitte noch kurz über die Bilder reden? Am Sonntag hab ich ja schon erwähnt, dass ich die (alte) Kamera mal wieder in den Händen hatte. Nachdem ich sie im Dezember mit unnachahmlichem Schwung auf einem steinernen Kirchenboden ins Nirvana geschickt habe, bin ich gerade auf der Suche nach einer Nachfolgerin. Die Bilder sind nicht bearbeitet (Wasserzeichen ausgenommen) und eigentlich bin ich ganz zufrieden. Was meint ihr?


Freitag, 10. März 2017

Auf dem Nachttisch


Harry Potter und das verwunschene Kind - J. K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne

Das einzige Buch auf dem Stapel, dass ich schon durchgelesen habe (und die sieben Bände davor natürlich auch nochmal). Ursprünglich war es das Weihnachtsgeschenk des Naturwissenschaftlers, der mit Kommentar ("Was passiert?" "Keine Spoiler bitte, aber sag schon was passiert" "Und, wie weit bist du schon? Kann ich's ausleihen?") leben und lesen musste. Als ich dann tatsächlich an der Reihe war bin ich mit enorm viel Anfangseuphorie in die ersten Seiten gestartet. Endlich wieder bei Harry, Ron und Hermine, endlich wieder der Hogwarts Express und mein Lieblingsbahnsteig. Und dann ließ dieses Gefühl ziemlich schnell nach. Himmel, sind die Drei unsympathisch geworden! Vor allem Harry könnte man ja ständig schütteln. Bin ich die einzige, die Albus und Scorpius viel eher als Paar denn als Freunde gesehen hat? (Hätte ich im Übrigen auch gut gefunden homosexuelle Charaktere unterzubringen.) Und fand sonst noch jemand, dass es schade war in gewisser Weise den alten Bösewicht, den alten Konflikt und alte Spielereien wieder aufzuwärmen?

"Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet" - Die ungewöhnliche Geschichte der Therese Prinzessin von Bayern - Hadumod Bußmann

Ehrlich gesagt bin ich ja ziemlich schlecht im Umgang mit  Sachbüchern. Ich mag zwar das Bild von mir selbst als jemand, der Sachbücher liest und dadurch unfassbar klug wird, aber irgendwie bleibe ich seltenst am Ball. Insofern schon ein großes Kompliment für dieses, dass ich immer wieder dazu greife. Meistens lese ich es häppchenweise, die Kapitel sind sehr schön gegliedert, überhaupt ist die Übersichtlichkeit und Struktur vorbildlich, und so ist es das ideale Zwischenpäuschenbuch.
Auf die Idee mich mit Therese zu beschäftigen kam ich übrigens durch den fabelhaften WDR ZeitZeichen-Podast. In einer Folge wurde ihre Lebensgeschichte vorgestellt und Geschichten von starken Frauen schaden ja nie. Ergo habe ich beschlossen mich näher mit der Lebensgeschichte der Frau zu beschäftigen, die gegen jede Konvention ihrer Zeit Naturwissenschaftlerin und Weltreisende wurde. Tatsächlich macht es Spaß von ihr zu lesen, insbesondere die Originalzitate aus Briefen etc. und es ist unfassbar motivierend, wenn man sieht, wie viel sie gelernt hat, alleine die elf Fremdsprachen nötigen mir Respekt ab.


Himbeeren mit Sahne im Ritz - Zelda Fitzgerald 
Noch habe ich das Buch, das angeblich diesen besonderen Zeitgeist und das Lebensgefühl der 20er so gut einfängt, gar nicht angefangen. Aber seit ich es zum Geburtstag bekommen habe darf es auch auf dem Nachttisch wohnen und spätestens seit die ganzen Bericht über die  amazon-Serie durch meine Filterblase flattern freue ich mich aufs lesen. Damals habe ich ja schon meinen Senf zum großen Gatsby abgegeben. 

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand - Jonas Jonasson

Neulich hab ich ja schon angedeutet, dass ich den Hype nicht so ganz nachvollziehen kann. Inzwischen bin ich kurz vor dem Ende und verstehe es immer noch nicht. Ich konnte zwar einen Lesefluss entwickeln, aber der angeblich so tolle Humor hat sich mir immer noch nicht erschlossen. Im Gegenteil, es ist mir nach wie vor absolut unverständlich, wie manche Menschen sagen können sie hätten bei der Lektüre immer wieder laut gelacht. Im schlimmsten Fall bin ich genervt von der oberflächlichen Charakterzeichnung, im besten Fall find ich die Irrungen und Wirrungen ganz nett. Joa, immerhin kann ich jetzt mitreden ;)

Mittwoch, 1. Februar 2017

Was im Januar besonders schön war

Aktuell sitze ich im Keller, weil ich fürchte mich bei meiner kleinen Schwester mit Noro anzustecken oder im schlimmsten Falle schon angesteckt zu haben. Sehr unerquicklich. Vielleicht hilft ja Ablenkung und Stärkung des Immunsystems durch positive Gedanken. In diesem Sinne: Was im Januar besonders schön war:

  • Geburtstage. Meine Oma machte mit ihrem 80sten den Anfang. Der dazugehörige Opa wurde 88. Da waren nicht nur schöne Feste. Vor allem wird mir dabei immer wieder bewusst, wie gut ich es habe, so fitte und aktive Großeltern haben zu dürfen. Meinen eigenen Geburtstag nicht zu vergessen. Haufenweise lieber Menschen waren da oder haben von Ferne an mich gedacht, die Geschenke türmten sich und das Essen war großartig. Das obere Bild zeigt Kirsch- und Bananenkuchen, nebst Hefezopf und Obstsalat. Käsekuchen und Schachbretttorte haben es nicht mehr mit aufs Bild geschafft. 

  • Brot! Brot und Brötchen in allen Varianten. Der Ofen glüht und täglich ziehe ich irgendein neues Exemplar aus ihm hervor. Fluch und Segen der aktuell so großen Zahl an Mitessern: Ein Brot am Tag kommt locker weg. Ab und an versuche ich mich mal an doppelten Mengen im Irrglauben den Gefrierschrank füllen zu können, aber auch das wird im Nullkommanichts wehinhaliert. Erhöht einerseits die Möglichkeiten der neu auszuprobierenden Rezepte, andererseits den Druck das tatsächlich auch zu tun. Ein Glück, dass es da draußen so phantastische Blogs gibt, die die Lust am Backen immer mehr anheizen.



  • In keinem Januarrückblick sollte dieser Film fehlen und auch wenn es einem das Internet mit einem großen Megaphon in Dauerschleife entgegenbrüllt. Es stimmt. Liebe Leute, geht und schaut euch La La Land an. Da ist alles drin. Lachen und Weinen, mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen und paar Tage später mit dem Soundtrack auf Dauerschleife immer noch an der Botschaft knabbern. Überhaupt war mein Kinobesuch ein wahres Highlight: Mit streichelnder Hand auf dem Knie, Strampeln im Bauch und einer großen Portion Nachos, die ich uns nur noch abwechselnd in den Mund stecken musste lässt es sich sehr gut glücklich sein. 
  • Allgemein ist Strampeln als neu installiertes Baby-Feature ein echter Gewinne. Den semi-spannenden Gemeinderatstermin neulich habe ich damit verbracht zu schauen, wie jemand von innen nach außen stupst, um dann vorsichtig zurückzustupsen. Fabelhaftes Kind!
  • Ganz anders im besten Termin des Monats, der mir einen massiven Fangirl-Abend bescherte. Herta Däubler-Gmelin, ehemalige Justizministerin und MdB für die SPD hat einen Vortrag über zeitgemäße Demokratie gehalten und dabei äußerst kluge Sachen gesagt. So warnte sie davor, dass Demokratie nur noch Vorschläge der Wirtschaft verwaltet statt selbst zu gestalten und rief in allererster Linie zu bewusstem Konsum auf und nicht davor zurückzuschrecken die Zeit, Mühe und Anstrengung auf sich zu nehmen Abgeordneten genau auf die Finger zu blicken und zu partizipieren. All das mit einer bemerkenswerten Attitüde. Wenn ich etwas älter bin (gerne auch jetzt schon) möchte ich auch so cool reagieren, so schlagfertig antworten und so unbeirrt meine Meinungen vertreten. Der kleine, empörte, schwäbische Bauer, der irgendwann aus der letzten Reihe lautstark seinen Frust verkündete, hat jedenfalls ganz schön blöd geschaut, als als einzige Reaktion ein sehr entspanntes "Sie dürfen mich hier ja gern kritisieren und ihrer Zornausbruch ausleben, aber das hat uns jetzt keine 5m weiter gebracht. Mir wäre lieber wir würden überlegen, wie wir den Missstand konstruktiv angehen."


  • Diese Bilder aus Astrid Lindgrens Wohnung.

Freitag, 23. September 2016

Teilzeit-Hippie



Im Allgemeinen sind meine Hippie-Fähigkeiten eher übersichtlich und schwäbische Grundtugenden überwiegen. Wenn nicht im Urlaub, wann dann könnte man sich aus diesen festgefahrenen Mustern befreien und einmal ganz neue Rollen ausprobieren? Der kleine Bruder mit VW-Campingbus ist ja quasi der wichtigste Schritt. Obendrauf noch einen Windsurfkurs, eine mit Klebeband am Armaturenbrett befestigte Sonnenblumen und schon war die Basis-Ausstattung beisammen. 
Na ja, so ganz aus meiner Haut kann ich dann halt doch nicht. Die große Freiheit des mobilen Heims ist mindestens dreimal so schön, wenn man zuvor den ganzen Kühlschrank mit Reiseverpflegung vollstopft und auch wenn mein erstes Mal Campingplatz an sich lange nicht so traumatisch war wie der innere Spießer zuvor befürchtete, habe ich es spätestens nach zwei Tagen sehr bedauert nicht an einen kleinen Besen gedacht zu haben, um ab und an mal rauszukehren. (Man merkt - schwäbische Grundtugend Kehrwoche. Die wird man einfach nicht mehr los.)



Nichtsdestotrotz hatten wir einen wirklich sehr schönen und extrem sauberen Campingplatz erwischt und sind jeden Morgen mit Sicht auf den See wach geworden. Apropos See: Der Gardasee war der ideale Kompromiss für Menschen, deren Urlaubserwartungen unterschiedlicher nicht sein könnten. ("Ein Urlaub wird erst dann gut, wenn man eine Jacke braucht." vs. "Ich will schon beim Rumliegen schwitzen." Und "Man kann auch gut mal nur den ganzen Tag rumliegen." vs. "Hopp hopp, Sachen anschauen, alles abklappern und Action!")
Der Surfkurs war perfekt, um jeden Tag zumindest ein bisschen Programm zu haben. Außerdem  habe ich bald festgestellt, dass die meisten Orte (auf den Bildern: Malcesine) zwar an sich ganz nett sind aber auch furchtbar touristisch und überlaufen. Insofern war das Ersatzprogramm mit Lesen (dazu bald mehr) und Gammeln doch ganz willkommen und in einem schlimmen Fall von Unterbeschäftigung kann man ja immer noch einen Berg besteigen und von oben auf den See schauen. (Kleiner Tipp am Rande: Spart euch den Monte Baldo mit der Seilbahn. Da will jeder hoch und die Wartezeiten sind teilweise enorm. Wir haben einen weniger bekannten Berg direkt vor unserer Haustür genommen und hatten trotzdem wundervolle Wege und nicht nur HalliGalli.)



Werden mich die offensichtlichen Vorteile wie Bettwäsche, die nicht nach muffig und fremd riecht, sondern nach daheim und vertraut vielleicht auf Dauer doch noch zum Vollzeit-Hippie machen? Hmm, mal abwarten. Den Bus habe ich auf jeden Fall ins Herz geschlossen, der nächste Trip ist zumindest schonmal angedacht und schön war es definitiv.

Dienstag, 3. Mai 2016

Bärlauchspätzle

Hier hab ich schonmal von den frühlingshaften Schlemmereien erzählt. Und auch wenn Zeit nach wie vor Mangelware ist und ich im Privatleben nur noch am Absagen verteilen und vertrösten bin, versuche ich Bärlauch und Spargel ein bisschen Platz einzuräumen. 


Im Idealfall schaffe ich es noch während der Bärlauch-Saison das Rezept für die Bärlauch-Maultaschen einzustellen. Auf jeden Fall hier noch schnell für die letzten paar Tage sehr leckere und sehr grüne Spätzle. Glücklicherweise haben sowohl meine Großeltern, als auch meine Eltern eigenen Bärlauch im Garten. Wer dieses Luxus nicht hat wird im Wald oder im Supermarkt aber auch fündig. Seid aber vorgewarnt, es schmeckt ein bisschen wie Knoblauch. Nach einer Pesto-Eskalation vergangene Woche bin ich zumindest lieber am heimischen Schreibtisch geblieben, statt die Bib zu verpesten. Aber enorm lecker, also ran an die Töpfe.


Vermutlich kann man die Menschheit ja in Rezept-Kocher und Freihand-Kocher einteilen. Ich bin definitiv die zweite Variante, daher folgen nun etwas krumme Werte. Aber wenn ihr da draußen eh auch aus dem Handgelenk mischt, dann stellt das für euch ja hoffentlich kein Problem da ;)

570 gr. Mehl 
100 gr. Gries
250 ml. Wasser
4 Eier 
2 TL Salz
100 gr. Bärlauch

Bärlauch einfach ordentlich mixen und dann mit unter den Teig mischen, der dann diese hübsche Färbung annehmen sollte. 
Je nach persönlicher Spätzle-Vorliebe kann der Teig dann in kochendes Wasser gedrückt/geschabt werden, bis die Nudeln hochsteigen. Dann mit einem Schaumlöffel (ratet mal, wer eben mit massiven Wortfindungsschwierigkeiten versucht hat Sieblöffel zu googeln, um irgendwie auf die richtige Bezeichnung zu kommen...) die Nudeln einsammeln und in eine bereitgestellte Schüssel mit Wasser füllen.


Bei mir gab es dann in absoluter Freestyle-Manier eine leckere Sauce aus allerlei Käseresten, die der Kühlschrank noch ausspuckte. Dazu habe ich in eine Mehlschwitze Milch und eine Mischung aus Parmesan, Emmentaler und einem streng-riechenden Bergkäse gegeben und das Ganze mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss gewürzt. Die Spätzle hinein geben, bis sie alle gleichmäßig angefeuchtet sind und dann kann's auch schon losgehen. 
Guten Appetit!


Sonntag, 21. Februar 2016

Die ganze Welt ist himmelblau

Zum Geburtstag habe ich ein paar Tage Skifahren bekommen. Ein großartiges Geschenk getreu dem Motto Zeit statt Zeug. Toller Schnee, großartiges Wetter, Muskelkater, Germknödel, nette Gesellschaft, rasante Fahrten auf dem Porutscher und viel, viel Spaß inclusive.
Kurz davor war ich im Theater (dazu an anderer Stelle nochmal mehr) und der "Die ganze Welt ist himmelblau" - Ohrwurm hätte nicht passender sein können.



Ich habe nicht viele Skitage. Letztes Jahr ein Tag, davor 2013 ebenfalls einer. Also weit entfernt von Übung. Meine erste Liftfahrt ist jedes Mal aufs Neue gekennzeichnet durch ordentlich Respekt. Dann passiert eine ganz wundervolle Verwandlung, die mich immer wieder fasziniert und überrascht. Während der Kopf noch über Berg- und Talski nachdenkt, Kurven vorausplant und krampfhafte Stoßgebete verfasst, wissen die Beine schon wieder wie es geht. Dieses Körpergedächtnis ist eine tolle Sache.
So schrecklich die ersten fünf Minuten jedesmal wieder sind, so schön ist es danach (also bevor mittags dann die Kraft ausgeht). Dieses Gefühl mit Kraft und Schwung durch wunderschön verschneite Berge zu sausen, während die kalte Bergluft an den Wangen prickelt, ist einfach unbezahlbar. Alleine für die Luft und echten Schnee lohnt es sich für Winterkinder wie mich ja schon in die Berge zu fahren. 



Was mich außerdem immer wieder sehr fürs Skifahren einnimmt ist das angenehme Körpergefühl. Hautenge Hosen und Oberteile, die unbedingt dem letzten Schrei entsprechen müssen, gehören zum Uni-Weiber-Traumfigur-Hüpfkurs und stören dort nicht einmal. 
Beim Skifahren hingegen sehen einfach alle aus wie kleine Tonnen mit voluminösen Hosen und dicken Jacken. Alle haben (danke Helm!) einen Eierkopf, glänzenden Sonnenschutz im Gesicht und einen Gang, der, selbst euphemistisch betrachtet, höchstens noch als Gegenteil zur Ballerina durchgehen kann und eigentlich mehr aus durchdringendem Stampfen besteht als aus allem anderen. 
Sonnencrememäßig war ich dank einer lieben Freundin (Huhu nach England!) perfekt ausgerüstet. Im Alltag ist sie mir zugegebenermaßen etwas zu glänzig und reichhaltig. Eigenschaften, die beim Skifahren aber perfekt sind. Einmal morgens und einmal mittags cremen haben mich völlig unbeschadet wieder nach Hause gebracht. 



Am Ende des zweiten Tages sagte meine Sitznachbarin beim Abwärtsliften: "Alle sind wieder gut runtergekommen und schön wars auch." Ein Einstellung, die ich mir zum Vorbild nehmen möchte. Genau die richtige Mischung aus Respekt (immerhin ist am selben Tag jemand in acht Metern Höhe aus dem Lift gefallen und der Hubschrauber musste jemand anderen abtransportieren) und sorgloser Dankbarkeit.

Montag, 25. Januar 2016

Alltagsschnipsel im Januar


Der Januar ist in meiner Familie und in meinem Freundeskreis der Geburtstagsmonat schlechthin. Um Januaralltag anschaulich zu demonstrieren, würden eigentlich Bilder von Kaffeetafeln, vielen Glückwunschkarten und regelmäßigen Paket-Gängen zur Post ausreichen. Ein Glück, dass die Zeitung ein sehr faschingsaffines Lesergebiet hat und so für den ein oder anderen Aufreger sorgt. So geschehen am Wochenende, beim Umzug, dessen größter Vorteil die ganze Seite war, die daraus entstand. 
Faschingsvorurteile hin oder her, solange sich die Menschen nur gepflegt betrinken, fragwürdige Outfits zu noch fragwürdiger Musik tragen bin ich pflegeleicht. Vermummte Hexen auf Umzügen, die deutlich ablehnende Mimik und Gestik völlig ignorieren, umarmen, Haare verwuscheln und Unmengen Konfetti bis in die Haarwurzel einmassieren hingegen sind dann doch sehr weit außerhalb der Komfortzone. Kurz gesagt: Fasching hin oder her, möchte ich selbst entscheiden, wer mich anfasst und komplett maskiert ist das per se indiskutabel.


Sehr viel schöner sind die ganzen Neujahrsempfänge, die im Januar stattfinden. Darunter der Frauenneujahrsempfang, der für nachhaltige Begeisterung im Hause gudrunella sorgte. Feminismus findet nicht nur in Berlin und im Internet statt, wie ich ignorant vorher vermutet hatte, sondern tatsächlich auch in baden-württembergischen Kleinstädten. Da wird Antje Schrupp zitiert, völlig selbstverständlich mit Begriffen wie "Patriarchat" oder "normativer Heterosexualität" jongliert und kluge, witzige und schöne Frauen halten tolle Vorträge, haben fundierte Meinungen und Ideen,
Etwas, das ich sonst vor allem im Netz finde oder zum Beispiel im von mir hochgeschätzten lila Podcast, den ich jedem nur empfehlen kann. Zwei der Podcasterinnen haben auch im Buch "Wir Alphamädchen" mitgeschrieben. Dementsprechend stand das Buch schon lange auf der imaginären Liste und umso trauriger ist es, dass ich inhaltlich zwar in 90% der Aussagen völlig mit den Autorinnen übereinstimme, aber Stil und Sprache das Lesevergnügen erheblich verringern. "Wir" und "Mädchen" aus dem Titel wurden leider etwas sehr wörtlich genommen und die Krankenschwesteransprache "Wir Frauen wollen, Wir Frauen dies, Wir Frauen das" nervt spätestens nach einer halben Seite nur noch. Dazu bald noch mal mehr und ausführlicher.
Nach dem Neujahrsempfang der Frauen ging es übrigens direkt weiter zu dem der Landfrauen. Kontrastprogramm par excellence. Von einer tollen A Capella-Kombo, die mir hiermit einen ausgewachsenen Ohrwurm beschehrt hat zum Mundharmonika-Orchester der Landfrauen, das tapfer und schrill gegen das Playback anpustet. :)


Ganz und gar unalltäglich hingegen ist dieser Blumenstrauß, der tapfer gegen das Nebelgrau vor dem Fenster anleuchtet. Ein sehr überraschendes Geschenk und Zeichen einer Galanterie, von der ich dachte, sie sei mit den schwarz-weißen Filmen ausgestorben. Instantly war ich in Grace Kelly, Katherine Hepburn und Ginger Rogers in einer Person, wünschte mich in ein schwingendes Kleid, mit einem perfekt aufgetragenen Lippenstift und elegante Schuhe statt unterwegs mit einer unförmigen Arbeitstasche und ausgewaschener Jeans. 
Ideale Gelegenheit mal wieder einen Cary Grant Film herauszukramen und gegen das nasskalte Grau  und Grau anzuschmachten.

Zu guter Letzt noch zwei schöne Links:
Saša Stanišić, dessen "Wie der Soldat das Grammophon reparierte" gerade auf meinem Nachttisch-Bücherstapel liegt sagt sehr schöne Dinge und zitiert kluge Menschen: 

Bilder aus der Sicht von Schauspielern, prachtvolle Zuschauerräume und mein neues Desktopbild: 

Donnerstag, 5. November 2015

Olli Schulz

Meine erste bewusste Begegnung mit Olli Schulz war tatsächlich der Nonsense-Song "Mach den Bibo" 2009. Das zeigt nicht nur, dass das erstaunlich lange her ist, sondern erklärt vor allem auch, warum er dann in meinem Kopf wieder entschwand.
Wiederentdeckt habe ich ihn mit dem SOS-Album und konvertiert zum Fantum bin ich dank der absolut großartigen Radiosendung sanft&sorgfältig, die mir meine Sonntage versüßt, die mir jede Fahrt witzig und kurzweilig vorkommen lässt und deren größter Nachteil die ätzend lange Sommerpause ist.


Long story short, seit Ewigkeiten wollte ich zum Konzert, jetzt hat es geklappt und es war ein phantastischer Abend!
Nach einem kurzen Eingewöhnungsschock war es uneingeschränkt großartig. Seltsamerweise machte das Gefühl ihn, vor allem durch die Radiosendung sehr gut zu kennen, anfangs ein unbestimmtes Fremdeln. Komisch eigentlich.


Dann aber hat er zweieinhalb Stunden bei guter Laune (alle sanft&sorgfältig-Hörer wissen, es geht auch anders) gespielt, erzählt, den berühmt-berüchtigten Queen Mary Mitschnitt gezeigt, improvisiert und gute Laune verbreitet.Von den Uralt-Schinken bis zur neuen Platte, von den Quatschliedern bis zu den Herztröstersongs. 

Ein bisschen linkisch, mit Spuren alter Trauer und angeblich immer noch vom gebrochenen Herz von damals angetrieben, albern und überdreht, bereit auf Wünsche einzugehen, wenn jemand schnipsend am Bühnenrand steht, selbstironisch und vor allem auch mit einer tollen Band (Kat Frankie und Gilbert zu Knyphausen). Hach ja, merkt man, dass ich ein bisschen verliebt bin? Hoffentlich ja.